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Mutterpflanzen: Selektion und Pflege

Mutterpflanzen anbauen, Stecklinge machen

Eine Mutterpflanze selektieren

Für viele Grower ist es eine einfache und schnelle Methode, Cannabis-Pflanzen einfach aus feminisierten Samen anzubauen. Männliche Pflanzen müssen hierbei nicht erst herausgefunden und dann aussortiert werden, es gibt also keinen „männlichen Ausschuss“. Es hat einige Vorteile jeden Grow mit neuen frischen Cannabis Samen zu starten ohne Vorbelastungen durch Insekten und Pflanzenkrankheiten weiterzuschleppen, also immer wieder von Pflanze zu Pflanze zu übertragen.

Einige Gärtner, die bereit sind mehr Geld, Platz und Zeit zu investieren, bevorzugen es jedoch, sich  eine Mutterpflanze zu selektieren und von ihr Stecklinge zu schneiden. Dies hat den Vorteil, dass die Stecklinge als Klone der Mutter das absolut gleiche Erbgut in sich tragen und dadurch genetisch identisch sind. Diese Nachkommen haben eine gleichmäßige Wuchshöhe und somit kann der Growroom ideal ausgeleuchtet werden. Zudem haben alle Klone den gleichen Nährstoffbedarf, was die optimale Versorgung der Pflanzen deutlich erleichtert. Wenn nämlich genetisch unterschiedliche Pflanzen im Growroom sind, mit unterschiedlichen Phänotypen und Bedürfnissen wird es schwieriger den idealen Nährstoffbedarf für jede einzelne Pflanze zu ermitteln und genau zu dosieren. Mit Klonen läßt sich am besten ein Sea-of-Green verwirklichen (ein „Blütenteppich“) und gleichmäßig hohe Erträge erzielen. Allerdings erfordert es wie bereits erwähnt, Zeit, mehr Ausgaben beim Strom, eine zusätzliche Growbox für die Mutter und Stecklinge sowie besondere Aufmerksamkeit, weil Mütter zum einen absolut gesund sein müssen und zum anderen aber durch ihre längere Lebensdauer besonders gefährdet sind, Indoor Pilze oder andere Erkrankugen im Verlauf der Zeit zu bekommen.

Mutterpflanze

Lange Rede kurzer Sinn: Wie geht das nun mit den Müttern? Der Schlüssel für kräftige Stecklinge, die im weiteren Verlauf ihrer Entwicklung schließlich fette Erträge liefern, ist eine absolut gesunde, genetisch ausgezeichnete überdurchschnittlich herausragende Mutterpflanze. Hierbei kann man sich genau die Mutterpflanze selektieren, die am meisten den eignen Wünschen und Bedürfnissen entspricht, z.B. was Größe, Ertrag und Wuchsverhalten anbelangt. Es gibt mittlerweile tausende unterschiedliche Strains weltweit, aus denen es nun gilt die richtige für sich abgestimmte Sorte herauszusuchen. Aus dieser soll dann die neue Mutter entstehen. Folgende Aspekte solten dabei berücksichtigt werden:

  • Indica oder Sativa? Es kommt ganz darauf an, für welchen Zweck oder in welcher Umgebung dein Pflanzen später aufwachsen werden. Grundsätzlich werden reine Sativas meist zu groß für den Indoor-Anbau und eignen sich daher meistens besser für den Outdooranbau. Natürlich gibt es Ausnahmen oder Sativa dominante Hybriden, die von ihrer Wuchshöhe ebenfalls sehr gut für den Anbau drinnen geeignet sind. Es ist auch eine Frage der Vorliebe, denn Sativas zeigen ein anderes Wirkspektrum als Indicas. Sativas haben meist eine deutlich längere Blütezeit als Indicas. Bei den Hybriden sind die Merkmale beider Typen zu finden, die in unterschiedlicher Ausprägung vorhanden sind.
  • Outdoor oder Indoor? Wenn deine Pflanzen bzw. Klone später Outdoor wachsen sollen, solltest du eine Mutterpflanze wählen, die speziell für den Outdooranbau geeignet ist und in deiner Klimaregion rechtzeitig fertig wird. Sollen die Klone Indoor angebaut werden, empfiehlt sich eine Indoor-Sorte mit entsprechendem Wuchsverhalten und einem Platzanspruch, der mit der Größe deiner Growbox oder deines Growrooms verträglich ist. Das heißt eine große Haze macht sich überhaupt nicht gut in einer Stecklingsbox – klar. Die Samenbanken geben normalerweise immer an, ob eine Sorte für Outdoor oder Indoor geeignet ist.
  • Ertrag? Wirkung? Blützeit? medizinisch? Neben Ertrag und Wirkung können zusätzlich die Blütezeit und medizinische Eigenschaften Kriterien sein bei der Auswahll der richtigen Sorte. Willst du ein Produktionsmonster, viel THC oder eher weniger und dafür mehr CBD? Oder doch lieber eine bunte Sorte? oder eine mit fruchtigem Geschmack?
  • regular oder feminisiert? Grundsätzlich wird empfohlen Mütter aus regulären Samen zu ziehen, weil die daraus entstehenden Weibchen als langlebiger und robuster gegen Krankheiten gelten als ihre feminisierten Kolleginnen. Natürlich kann man aber auch aus feminisierten Samen Mütter machen, manche Sorten sind nur feminisiert erhältlich.

StecklingeHat man die richtige Sorte für sich gefunden, geht das eigentliche Selektieren erst los:

  1. Zunächst besorgt man sich die (regulären) Cannabis Samen der gewünschten Sorte in ausreichender Anzahl. Was ist eine ausreichende Anzahl? Das kommt natürlich auf die persönlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten an. Man kann sagen je mehr Samen angesäht werden, umso höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass man die absolute Megapflanze mit allen gewünschten Merkmalen, den persönlichen Lucky-Punch, wobei einfach alles passt, auch herausfindet. Das ist ein bißchen so als würde ein neuer Star entdeckt werden. Professionelle Pflanzenzüchter sähen teilweise tausende von Samen an um eine ideale Mutter zum weiterzüchten zu selektieren.
  2. Nun wird also eine größere Menge der ausgewählten (regulären) Hanfsamen angesäht. Wenn die Jungpflanzen eine gewisse Größe erreicht haben, kann jeweils ein Steckling pro Pflanze geschnitten werden. Dies sind Kopfstecklinge, d.h. der Steckling wird oben vom Hauptrieb genommen. Zum Thema Stecklinge schneiden findet ihr in unserem Grow-Lexikon genaueres. Alle Pflanzen bekommen einen eigenen Namen, Nummer oder sonstiges zur Unterscheidung und werden mit einem Schildchen gekennzeichnet, so dass man nachher weiß, welcher Klon von welcher Pflanze abstammt.
  3. Genau hier scheiden sich die Geister. Viele Grower nehmen jetzt die beschnittenen Pflanzen und schicken diese in die Blüte, währenddessen die genommen Klone Wurzeln bilden. Ich hingegen bevorzuge es, erst die Stecklinge durchwurzeln zu lassen und diese in die Blüte zu schicken. Dieses Vorgehen dauert zwar um einiges länger, der Vorteil liegt jedoch darin, dass die spätere Mutter direkt aus dem Samen stammt und damit die besten Voraussetzungen hat. Aber auch Klone des ersten Schnitts eignen sich als Mutter, da sie aus der noch frischen, gesunden Pflanze geschnitten wurden und sehr kräftig sind.
  4. Sobald sich das Geschlecht zeigt, werden die Männchen aussortiert (entfällt natürlich, wenn aus feminisierten Samen gezogen wurden ) und natürlich auch die männlichen Pflanzen, von denen sie abstammen. Wenn man eine größere Menge an Cannabis Samen angesäht hat um ideal selektieren zu können, wird es evtl. schon an der Zeit seine, eine erste Vorauswahl zu treffen und sich nur für die besten und optimalsten Pflanzen zu entscheiden. Der Growroom platzt sonst aus allen Nähten. Wurde eher eine geringere Anzahl an Seeds verwendet, kann man einfach alle Pflanzen zu Ende blühen lassen und sie währenddessen gut beobachten. Gut beobachten heißt: Wuchsverhalten, Blätter, Farbe und sonstige Merkmale anschaun und vielleicht Notizen machen. Nur absolut gesunde, kräftige, robuste und widerstandsfähige Pflanzen erfüllen die Voraussetzung eine Mutterpflanze zu werden.
  5. Nach der Ernte kann dann ein abschließendes Urteil getroffen werden, nachdem alle Pflanzen geerntet und getrocknet wurden. Man weißt jetzt, welche Pflanze wie blüht und mit welchem Effekt und Ertrag. Die beste Pflanze(n) wird ausgewählt und weiterhin als eine Mutterpflanze zum Steckis schneiden gepflegt und gehegt. Die restlichen Pflanzen können verworfen oder in den Blühraum gebracht werden.
  6. Wenn die liebevoll ausgewählte Mutterpflanze ausreichend lange Seitenzweige gebildet hat, können Steckis geschnitten werden.

Kosher Tangie

Man sieht schon, es ist einigermaßen aufwendig, eine gute Mutter zu selektieren und es erfordert vor allem einiges an Zeit. Man braucht dafür einen 2. Growroom mit Anzuchtlampe, Ventilator usw. für die Mutterpflanze(n) und die Stecklinge, die im Gegensatz zu den blühenden Pflanzen eine Beleuchtungsdauer von 18 Stunden/Tag brauchen. Ist die Super-Mutter erstmal gefunden und hat sie sich mit ausreichend Pflege und Zuwendung zu einer stattlichen Pflanze entwickelt, kann man regelmäßig Klone schneiden (ca. alle 2 Wochen, nicht übertreiben).

Wichtig bei der Pflege und Zucht von Cannabis-Müttern:

  • Sorge dafür, dass deine Mutterpflanze stets gesund bleibt und in einer guten Umgebung mit ausreichend Licht und Belüftung wächst. Es ist wichtige Pilzerkrankungen, Parasitenbefall und Krankheiten bei der Mutter schon im Vorfeld zu vermeiden und für ein gesundes Wachstum zu sorgen. Eine Mutter, die einen Pilz in sich trägt, kann zwar selbst noch einige Zeit gelblich, kringelich vor sich hindümpeln, allerdings werden ihre Stecklinge entweder gar nichts oder eine Katastrophe.  Hygiene und Sauberkeit im (Mutter-)Growroom ist deswegen das A und O. Der Growroom sollte  nicht mit Straßenschuhen betreten werden.
  • Mütter können ca. 1 Jahr verwendet werden, es kommt immer auf die jeweilige Pflanze an. Dann beginnen sie schwächer zu werden und auch die Stecklinge werden schwächer, was Wachstum und Qualität anbelangt. Deswegen empfiehlt es sich, rechtzeitig eine neue Mutter nachzuzüchten.
  • Die Töpfe der Mutterpflanzen sollten ca. alle 14 Tage mit klarem Wasser oder einem speziellen Mittel wie z.B. Canna Flush durchgespült werden, so dass überschüssige Düngesalze, die sich in der Erde angereichert haben, ausgeschwemmt werden. Wenn dies nicht gemacht wird, kommt es zu einer Versalzung des Bodens und der Wurzeln, die Pflanze kann regelrechte Vergiftungserscheinung zeigen, die Erde verbäckt und es können keine Nährstoffe mehr aufgenommen werden. Nach dem Durchspülen die Mutter gut abtropfen lassen.
  • Für eine gute Drainage sorgen: Beim Anbau auf Erde oder Cocos empfiehlt es sich, unten in den Pflanztopf eine ca. 7 cm dicke Schicht aus Blähton zu füllen, so dass überschüssiges Wasser sofort und gut ablaufen kann und es zu keiner Staunässe kommt. Staunässe muss bei allen Pflanzen und ganz besonders bei Mutterpflanzen vermieden werden, weil dadurch sehr schnell Wurzelfäule oder andere Pilzerkrankungen entstehen können.
  • Nach 3 Monaten kann die Mutterpflanze vorsichtig aus dem Topf genommen werden. Nun kann die Erde, die sich leicht vom Wurzelballen löst entfernt werden und die Pflanze zusammen mit neuer Erde wieder in den Topf gesetzt werden. Dabei kann man die Wurzeln kontrollieren und gegebenfalls abgestorbenes Wurzelwerk vorsichtig entfernen.

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