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Anomalien und Mutationen bei Cannabispflanzen

Anomalien Cannabis

Cannabis anzubauen stellt den Grower vor einige Herausforderungen. Von der Wahl des richtigen Seeds bis hin zum Einrichten der optimalen Bedingungen, für eine kräftige und schöne Pflanze, gilt es zunächst einmal einige Arbeiten zu bewältigen. Gibt es dann die ersten Ergebnisse zu sehen, ist es sicherlich beunruhigend, wenn man an einer Pflanze  plötzlich Anomalien oder sogar Mutationen feststellt.

In den meisten Fällen sind ungewöhnliche Veränderungen des Seeds aber kein Grund zur Beunruhigung. Manche der bekanntesten Fälle von Mutationen sind sogar ausgesprochen erwünscht. Die Ducksfoot Strains konnten sich zum Beispiel in den letzten 10 Jahren zu einer beliebten Outdoor Variante entwickeln, da ihre Blätter für allzu neugierige Blicke gar nicht als Cannabispflanze zu erkennen sind. Und auch die Quirlblättrige Pyllotaxis kann für viele Grower nur erwünscht sein, da bei ihr mehrere Triebe an ein und derselben Stelle des Stammes entstehen und die Pflanze dadurch um einiges buschiger wachsen kann.

Im folgenden wollen wir also einen Überblick über die Folgen und das Aussehen der häufigsten Anomalien und Mutationen geben. Außerdem wird erklärt, ob sie schädlich sind oder sich vielleicht sogar als nützlich erweisen.

1. Die Ducksfoot Mutation – Eine Stealth Variante

Duckfoot-Cannabis

Die Ducksfoot-Mutation wurde erstmals von einem Australischen Züchter entdeckt und dann gezielt weiterentwickelt. Da sie über die Jahre zu einem echten Verkaufsschlager geworden ist, handelt es sich bei ihr um die sicherlich wichtigste Mutation. Während die Blätter der üblichen Cannabispflanze die typische Fingergliedrigkeit aufweisen, haben diejenigen der Ducksfoot Mutation in der Form von Schwimmfüßen. Damit sind sie für unerfahrene Betrachter kaum als Cannabispflanze zu erkennen. Diesen enormen Vorteil machte die auf dem Ducksfoot basierende Sorte „Frisian Duck“ des bekannten Holländischen Seeds-Anbieter „Dutch Passion“ auf Anhieb zum Publikumsliebling unter den Outdoor Sorten.

Durch die natürliche Tarnung, die durch die ungewöhnliche Form der Blätter gegeben ist, gehen die Leute geradewegs an dieser Pflanze vorbei, ohne einen zweiten Blick darauf zu werfen. Leute, die niemals zuvor Cannabis gegrowt haben, growen diese Sorte in ihrem Garten, ihrem Gewächshaus oder im Hinterhof. Wenn man diese Varietät auf Feldern, Hügeln und Wäldern anpflanzt, ist es eher unwahrscheinlich, dass sie erkannt wird. Ohne die markante Cannabis-Blattform gelingt es den Leuten nicht, die Cannabis-Pflanze als solche wahrzunehmen. Dies ist eine bahnbrechende Entwicklung für Outdoor-Grower, speziell für jene, die Cannabis gerne in und rund um belebte Gebiete growen möchten.”

Dazu kommt, dass die Pflanze eine hohe Widerstandsfähigkeit aufweist und gleichzeitig einen sehr großen Ertrag von bis zu 500g pro m² liefert. Das Aroma der Blüten ist außerdem nicht sonderlich stechend, so dass die Pflanze auch in der Blütezeit einen vergleichsweise nur schwachen Geruch verströmen.

2. Albinismus und Vielfarbigkeit – Abwechslungsreichtum bei der Pflanze

Cannabis-weiss

Wenn die Blätter und Blüten der Pflanze nicht Grün sind, sondern andere Farbwerte aufweisen, liegt eine sogenannte Variegation (lat. Variegare = abwechslungsreicher machen) oder Panaschierung (frnz. panacher = mischen) vor. Die Gründe dafür können vom Albinismus über die bekannten Purple-Sorten bis hin zu mineralischen Mangelerscheinungen reichen.

Albinismus beschreibt dabei das Fehlen der Pigmentierung der Pflanze. So, wie beim Menschen das Melanin für die Farbe der Haut, der Augen und der Haare zuständig ist, bekommt die Pflanze ihr sattes Grün vom Chlorophyll. Ist die Pflanze ein Albino, fehlt ihr dieser Farbstoff und sie entwickelt ein teilweise oder sogar komplett weißes Blatt, Stamm- und Blütenwerk.

Diese Variation ist genetisch bedingt. Die Auswirkungen sind jedoch nicht nur auf das Erscheinungsbild der Pflanze beschränkt. Während normale Pflanze Lichtenergie über das Chlorophyll in Glucose umwandeln, fehlt einem Albino diese Energiequelle. Damit wird sich der Wuchs im Allgemeinen als nicht sonderlich stattlich erweisen, was unter anderem einen sinkenden Ertrag zur Folge hat. Im ungünstigsten Fall wird die Pflanze außerdem versuchen, die fehlenden Nährstoffe über ihr Wurzelwerk auszugleichen. Damit entzieht sie der Erde übermäßig viele Nährstoffe.

Insofern der Albinismus aber durch sein eigenartiges Aussehen durchaus ein Highlight in der Sammlung eines Growers sein kann, muss über den Verbleib der Pflanze abgewogen werden. Die Aufzucht sollte man sich aufgrund des geringen Ertrages jedenfalls sicherlich leisten können müssen. Außerdem entwickeln sich viele Albinos nur kümmerlich oder sterben sogar früher, weil sie sich nicht ausreichend selbst ernähren können.

Achtung: Eine weiße Pflanze oder weiße Teile an Cannabispflanzen müssen nicht notwendigerweise auf Albinismus hindeuten. So kann es durchaus sein, dass die Blätter zu nahe an einer künstlichen Lichtquelle platziert worden sind. In diesem Fall werden die Pigmente der Pflanze einfach verbrannt. Auch zu lichtstarke Lampen wirken schädigend und können dazu führen, dass die Blätter ihre Grüne Farbe verlieren. Hier gilt es, sich im Vornherein gut über die idealen Abstände und Lichtintensitäten zu informieren. Weiße Spitzen bei Cannabispflanzen treten besonders häufig bei sehr potenten LED-Lampen auf, dann wenn der Abstand zur Lampe zu nahe ist.

Lila, Rot und Blaue Töne entstehen, wenn Cannabis in kälteren Regionen mit kürzeren Lichtzyklen angepflanzt wird. Dann wird gegenüber dem Farbstoff Chlorophyll ein in nahezu in allen Pflanzenarten zu findender Pflanzenfarbstoff namens Anthocyane aktiviert. Diese Eigenschaft wurde vor allem in den bekannten Purple-Sorten speziell gezüchtet. Berühmte Beispiele sind zum Beispiel:

  • Purple #1: Purple #1 kam in den 80 Jahren auf den Markt und galt mit ihrem THC-Gehalt von 12% lange Zeit als die stärkste unter den lila Sorten. Dabei ist ihr Aroma und der Geschmack eher unaufdringlich.
  • Purple Haze: Diese bekannte Sorte wurde wegen Ihrer Farbe und Abstammung von einer Haze Sorte nach dem Song von Jimmy Hendrix benannt. Ihr High gilt als tief und euphorisierend.
  • Twilight: Diese Outdoor Sorte ist vor allem für ihre intensive lila Färbung und ein starkes, belebendes High bekannt. Außerdem wird sie gerne für medizinische Zwecke eingesetzt.
  • Purple Lemonade und Purple Domina sind sind beliebte lila-farbige autoflowering Sorten mit einer hohen Potenz und guten Erträgen.

Cremeweiße bis gelbe oder sogar braune Blätter lassen sich mit einer großen Wahrscheinlichkeit auf einen Magnesiummangel zurück führen. Dieser kann zum Beispiel auftreten, wenn die Pflanze zu oft gegossen wird. Der in der Erde enthaltende Nährstoff wird dann mit dem Wasser ausgespült und  kann er nicht mehr von den Wurzeln der Pflanze aufgenommen werden. Abhilfe schafft neben einer optimierten Bewässerung ein Magnesiumdünger.

3. Die Quirlblättrige Pyllotaxis

Pyllotaxis-Cannabis

Der botanische Begriff der Pyllotaxis beschreib die Anordnung der Blätter am Stamm der Pflanze. Diese Anordnung ist für gewöhnlich wechselständig. Das heißt, dass die Blätter der Pflanze stets gegenüber voneinander liegen und dies führt zu einem symmetrischen und regelmäßigem Wuchs.

Bei einer gegenständigen Pyllotaxis sprießen hingegen gleich zwei Blätter aus der gleichen Stammposition. Sie wird von der quirlblättrigen Phyllotaxis noch übertroffen. Hier wachsen gleich mehrere Blätter aus dem gleichen Punkt. Pflanzen, die von einer quirlblättrigen Phyllotaxis  betroffen sind, werden also besonders buschig und können sogar größere Erträge liefen. Dementsprechend gesucht müsste die Mutation unter Züchtern also eigentlich sein. Obwohl sie dabei auch relativ häufig vorkommt, konnte jedoch leider noch nie ein Strain mit der Quirlblättrigen Phyllotaxis gezüchtet werden. Vielmehr verschwindet sie von einer Generation zur nächsten einfach wieder. Das macht sie schon fast zu einer Glückssache.

4. Blattknospen – nur auf den ersten Blick von Vorteil

bud-am-Blatt-Cannabis

Auch die Blattknospen hören sich auf den ersten Blick wie etwas an, dass man gerne an seiner Pflanze beobachten würde. Wer hätte schließlich nicht gerne einen Ertrag, der über den üblichen Blütenstand am Blattstiel hinaus geht?

Bei den Blattknospen fängt die Pflanze an, auch am Trieb der Blätter eine Blüte auszubilden. Was sich zunächst toll anhört, ist in der Praxis jedoch meistens nicht von Vorteil. So werden die Blattknospen um einiges kleiner ausfallen als ihre normal gewachsenen und größeren Geschwister. Weil sie den anderen Blüten außerdem Nährstoffe entziehen, werden Exemplare mit dieser Mutation meistens vom Züchter aussortiert.

5. Polyploidie – Die Frankensteine unter den Mutationen

Polyploid

Eine vom Menschen durch Züchtung erreichte Mutation ist die Polyploidie. Sie betrifft die Verteilung der Chromosomenpaare der Pflanze. Wie der Mensch, hat auch die Cannabispflanze 46 Chromosomenpaare, wobei jeweils 23 Chromosomen von der Mutter und dem Vater vererbt werden. Bei der Polyploidie werden diese Paare bis auf das doppelte oder mehrfache erhöht, was eine Erhöhung der Pflanzenstärke zur Folge haben soll. Diese werden oftmals höher, und auch der Ertrag und die Wirksamkeit des Cannabis  wird verstärkt. Dafür hat man mit einem teils bizarren Aussehen der Pflanze zu rechnen.

Im Zuge der teilweisen Legalisierung vom Marihuana wird vermehrt an dieser Art der Mutation geforscht. Unter Laborbedinungen eine mühseelige und kostspielige Arbeit. In der Cannabisszene wird zur Zucht von Polyploidem Cannabis oft mit der Chemikalie Colchicin experimentiert. Dafür werden die Samen der Pflanze für etwa 8 – 24 Stunden in das Mittel eingelegt. Das Colchicin unterbindet in dieser Zeit die Zellteilung der Pflanze, welche als Reaktion mehrere Chromosomensätze bildet.

Im Zuge dieses weitreichenden Eingriffes in die genetische Struktur der Pflanze überleben jedoch nur wenige Pflanzen. Dazu kommt, dass Colchicin aufgrund seiner Giftigkeit nur auf Rezept erhältlich ist. Im allgemeinen wird also von der chemischen Behandlung der Samen abgeraten.

6. Zwillingsseedlinge – Ungleiche Geschwister

Twin-Seed-Cannabis

Wenn aus einem Samen anstatt einer gleich zwei Pflanzen spriessen, spricht man von einem polyembryonischen Samen oder Zwillingsseedling. Im Unterschied zu menschlichen Zwillingen wird jedoch eine der beiden Pflanzen der exakte Klon der Mutter sein. Ungetrennte Pflanzen werden dabei kaum stattliche Exemplare ergeben. Umgekehrt sollten die beiden Pflänzchen aber auch nicht zu früh voneinander getrennt werden. Hier empfiehlt sich eine Höhe von etwa 20 – 25 cm um die Pflanzen vorsichtig voneinander zu trennen. Wenn die Zwillinge erfolgreich auseinandergepflanzt wurden, kann man mit einem normalen Wachstum rechnen.

 7. Drei-Blättrige-Seedlinge

3-blatt-seedling

„Bei meinen Keimlingen bildet ein Pflänzchen drei Blätter aus – ist das normal?“ Fragen wie diese werden Grower und Interessierte öfter zu hören bekommen. In der Tat ist Cannabis eine sogenannte Zweikeimblättrige Art. Das heißt, dass die Blätter im frühesten Wuchstadium der Keimung zweifach wachsen. Eine Abweichung davon ist nicht weiter schlimm. Im weiteren Verlauf des Wachstums neigen Dreikeimblättrige Pflanzen außerdem dazu, dieses seltsame Verhalten zu beenden.

Kriechende Cannabispflanzen

kriechendes-Cannabis

Diese genetische Muation kann man nur sehr selten beobachten und sie kommt nur bei bestimmten tropischen Sativas vor, die in feuchten Regionen wachsen und eine überdurchschnittliche Größe erreichen. Dabei wachsen die schweren und mit Blüten beladenen Zweige anstatt Richtung Licht zum Boden. Kommt es zum Kontakt mit dem Boden, entwickeln manche Zweige sogar Wurzeln. Diese Veränderung ist positiv, denn die Pflanzen können durch ihr gesteigerte Wurzelmasse mehr Nährstoffe aufnehmen. Kriechendes Cannabis wurde bislang nicht kommerziell weiterentwickelt.

Australisches Bastardcannabis

Bastard-Cannabis-ABC

ABC ist eine australische Erfindung. Dieses Phänomen ist in den 70er Jahren zuerst in der Nähe von Sydney aufgetaucht. Die seltsame Anomalie wächst eher wie ein Kraut, als wie ein Strauch. Die Blätter sind nicht gezackt, stattdessen sind sie glatt und glänzend und werden nicht länger als 5cm lang. Das ursprüngliche ABC ähnelt mehr Hanf und produziert nur wenig Cannabinoide. Allerdings gelang es einigen nicht kommerziellen Züchtern den THC-Gehalt zu steigern. Diese Mutation hat vor etwa einem Jahrzehnt für Aufsehen gesorgt. Bislang sind kaum Sorten auf dem Markt verfügbar.

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