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Forscher entdecken neue Cannabinoide

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Paukenschlag zum Jahreswechsel – Forscher entdecken neue Cannabinoide

Ein kürzlich in der Zeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlichter Artikel hat die bemerkenswerte Entdeckung eines bisher unbekannten Cannabinoids beschrieben. Das Molekül mit der Bezeichnung THCP (Tetrahydrocannabiphorol) hat sich als deutlich stärker erwiesen als sein bekanntes Gegenstück THC, doch ist noch unklar, wie psychoaktiv es beim Menschen ist oder wie präsent es in populären Cannabis-Sorten ist.

Obwohl die Menschen die berauschenden Eigenschaften von Cannabis seit Tausenden von Jahren nutzen, haben die Wissenschaftler erst vor kurzem begonnen, genau zu verstehen, wie die Pflanze ihre psychoaktiven Wirkungen verleiht. In den späten 1980er Jahren entdeckten Wissenschaftler einen neuen Typ von Gehirnrezeptor, der direkt auf die Inhaltsstoffe von Cannabis zu reagieren schien. Einige Jahre später wurde ein zweiter, ähnlicher Rezeptor entdeckt, und die beiden Rezeptoren wurden mit CB1 und CB2 bezeichnet.

Diese beiden Arten von Rezeptoren, die in beträchtlichen Mengen im gesamten menschlichen Körper gefunden wurden, werden durch Tetrahydrocannabinol (THC), der vielleicht bekanntesten psychoaktiven Verbindung in Cannabis, stark aktiviert. Eine Reihe von natürlich produzierten Neurotransmittern, die als Endocannabinoide bezeichnet werden, interagieren ebenfalls mit den CB1- und CB2-Rezeptoren.

Die Fähigkeit der in Cannabis gefundenen Stoffe, an CB1- und CB2-Rezeptoren zu binden, wird in erster Linie durch seine Seitenkette bestimmt. THC hat eine fünfgliedrige Seitenkette. Es wurde keine natürlich vorkommende Verbindung in Cannabis gefunden, die mehr als fünf Glieder in dieser Seitenkette hat, jedoch wurden von Wissenschaftlern synthetische Cannabinoide mit mehr Seitenkettengliedern geschaffen.

Die neue Studie eines italienischen Wissenschaftlerteams hat erstmals zwei natürlich vorkommende Cannabinoide mit sieben Gliedern Seitenkette entdeckt. Die Forscher haben die Cannabinoide Tetrahydrocannabiphorol (THCP) und Cannabidiphorol (CBDP) genannt. Eine möglicherweise bahnbrechende Entdeckung auf dem Feld der Cannabismedizin. Anschließende pharmakologische Tests ergaben, dass THCP im Vergleich zu THC über 30 Mal stärker an CB1-Rezeptoren zu binden scheint. Aber was bedeutet das? Ist THCP 30-mal stärker als THC? Nicht zwingend:

„THCP wurde in vitro an CB1- und CB2-Rezeptoren getestet, wobei sich eine 33-fache Affinität zu CB1 im Vergleich zu den in der Literatur berichteten Daten zu THC herausstellte“, erklärt der entsprechende Autor Guiseppe Cannazza in einer E-Mail an New Atlas. „Dies bedeutet nicht, dass es in vivo aktiv ist. Deshalb testete Dr. L. Luongo THCP an Mäusen, um seine mimetische Aktivität zu bewerten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass THCP ähnlich wie THC wirkt, jedoch in niedrigeren Dosen (etwa die halbe Dosis).“

Cannazza ist klar, dass die bisherigen Tierstudien des Teams zeigen, dass THCP wesentlich psychoaktiver ist als THC. Was dies jedoch für die Auswirkung auf den Menschen bedeutet, ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig unbekannt. Es ist auch unklar, ob verschiedene Cannabis-Stämme unterschiedliche Mengen an THCP.DP) enthalten.

„Das italienische Gesundheitsministerium hat uns die Genehmigung erteilt, die Cannabissorte FM2 zu untersuchen, die vom militärisch-chemisch-pharmazeutischen Institut in Florenz hergestellt wird“, sagt Cannazza. „Die Konzentration [von THCP] in dieser Sorte ist extrem niedrig und erreicht wahrscheinlich nicht die wirksame Dosis, um eine pharmakologische Wirkung zu erzielen. Es sollte jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass die THCP-Konzentration in anderen Cannabis-Sorten höher sein könnte, da diese Verbindung noch nie in der Pflanze gesucht wurde“.

Neue Erkenntnisse und weiterhin offene Fragen

Die Forscher stellen die Hypothese auf, dass THCP und andere noch zu entdeckende Verbindungen die dramatische Variabilität der subjektiven Reaktionen auf Cannabis erklären könnten. Es wurden eine Reihe von Studien durchgeführt, in denen Cannabis mit einheitlichen THC-Volumina konsumiert wurde, doch die Individuen berichten oft über sehr unterschiedliche psychotrope Wirkungen. Da THCP in Cannabis-Stämmen noch nie zuvor nachgewiesen oder gemessen wurde, legt die Studie nahe, dass dieses potenziell psychoaktive Cannabinoid einige dieser unterschiedlichen Wirkungen erklären könnte.

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„Unserer Meinung nach sollte diese Verbindung in die Liste der wichtigsten Phytocannabinoide aufgenommen werden, die für eine korrekte Bewertung der pharmakologischen Wirkung der den Patienten verabreichten Cannabisextrakte zu bestimmen sind“, so die Forscher in der kürzlich veröffentlichten Studie. „Tatsächlich glauben wir, dass die Entdeckung eines extrem potenten THC-ähnlichen Phytocannabinoids Licht auf mehrere pharmakologische Wirkungen werfen könnte, die nicht allein auf THC zurückzuführen sind.

CBDP, das neu entdeckte Sieben-Glieder-Seitenketten-Homolog des CBD, einer weiteren bekannten, aber deutlich weniger psychoaktiven Substanz, die in Cannabis gefunden wurde, ist noch rätselhafter als THCP. Obwohl eine Form von CBD vor kurzem von der FDA zur Behandlung bestimmter Arten von Epilepsie zugelassen wurde, ist ihr Wirkungsmechanismus noch immer unglaublich unklar.

Cannazza sagt, dass sich die Forschung seines Teams in erster Linie auf die Erforschung der psychoaktiven Auswirkungen von THCP konzentrierte, da bekannt ist, dass CBD nicht stark auf CB1- oder CB2-Rezeptoren wirkt. Ob CBDP also stärker als CBD oder therapeutisch wirksamer ist, ist ein weiteres Rätsel, das noch untersucht werden muss.

„Es wurde kein biologischer Test für CBDP durchgeführt“, erklärt Cannazza. „Seine Aktivität ist völlig unbekannt. Tatsächlich hat die CBD selbst eine geringe Affinität zu den CB-Rezeptoren, und ihr Wirkungsmechanismus ist immer noch nicht vollständig geklärt. Wir können nicht behaupten, dass CBDP mehr oder weniger stark ist als CBD, da es nicht durch CB-Rezeptoren zu wirken scheint. Seine biologische Aktivität ist alles zu bewerten“.

Intensive Cannabisforschung – was die Zukunft bringt

Im Wesentlichen zeigt diese bemerkenswerte Arbeit auf, wie viel es noch über die Eigenschaften von Cannabis zu lernen gibt. Die technischen Fortschritte in der Massenspektrometrie und die Lockerung der gesetzlichen Vorschriften in Bezug auf Cannabis ermöglichen es den Wissenschaftlern erst jetzt, genau zu erforschen, welche neuartigen Verbindungen in dieser ikonischen Pflanze gefunden werden können.

Cannazza und sein Team konzentrieren sich zunächst auf die einfache Charakterisierung der vielen unbekannten Verbindungen im Cannabis. Es wird dann an anderen Wissenschaftlern liegen, herauszufinden, ob diese Substanzen einen therapeutischen Wert haben.

„Wir setzen unsere Forschung fort, um die chemische Zusammensetzung der verschiedenen Cannabis-Sorten zu untersuchen“, schließt Cannazza in einer E-Mail an New Atlas an. „Wir begannen mit CBDB und THCB, den entsprechenden Derivaten mit einer Vier-Term-Alkylkette, die im „Journal of Natural Products“ veröffentlicht wurden, dann untersuchten wir CBDP und THCP. Jetzt suchen wir nach CBGB, CBGP, CBCB, CBCP und so weiter. Es ist noch ein langer Weg bis zu einer umfassenden Charakterisierung von Cannabinoiden in einer Cannabissorte, aber unsere Arbeit wird Pharmakologen, Toxikologen und Klinikern den Weg für die Korrelation der beobachteten biologischen Wirkungen mit der chemischen Zusammensetzung der verschiedenen verwendeten Cannabissorten ebnen“.