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Pflanzen, die wie Marijuana Cannabinoide enthalten

Phytocannabinoide, Cannabis

Marijuana gilt inzwischen als eine der nützlichsten und vielseitigsten Heilpflanzen auf unserem Planeten. Neben Marijuana gibt es aber noch andere Kräuter und Gewürze, die ebenfalls Cannabinoide enthalten. Ein Cannabinoid ist eine chemische (natürliche) Komponente, die mit einem großen Regulationssystem im Körper interagiert, nämlich dem Endocannabinoidsystem. Das Endocannabinodsystem ist unter anderem für ein ideales inneres Gleichgewicht zuständig. Außer den Cannabispflanzen, gibt es noch weitere Pflanzen, die ebenfalls therapeutische Cannabinoide enthalten:

1. Echinacea (Roter Sonnenhut)

echinacea

Der medizinische Nutzen von Echinacea ist weitreichend bekannt und äußerst umfangreich. Es ist in vielen verschiedenen Bereichen therapeutisch einsetzbar, wenn auch nicht so hochwirksam wie die Cannabispflanze. Echinacea kann Symptome von Angst lindern, Müdigkeit Asthma und Arthritis verbessern. Es ist hilfreich bei Erkältungen und bei Symptomen, bei denen auch Cannabis wirksam ist.

Einige Arten von Echinacea enthalten Cannabinoid(-ähnliche) Substanzen wie sich gezeigt hatte. Sie enthalten vor allem Cannabimimetics, welche sich von denen der Cannabispflanze ein wenig unterscheiden. Als Cannabimimetics werden jene Komponenten bezeichnet, die die gleiche pharmakologhische Wirkung haben wie die Cannabinoide des Cannabis.

Cannabimimetics unterscheiden sich etwas von Cannabinoiden, sie greifen allerdings trotzdem in das Endocannabinoid-System ein. Die hauptsächlichen Cannabinoide in Echinacea werden als N-Alkylamide (NAA) bezeichnet. Die Cannabimimetics interagieren hauptsächlich mit CB2-Rezeptoren. Der CB2-Rezeptor ist vorrangig verantwortlich für die Regulierung des Immunsystems und die Regulierung von Schmerz- und Entzündungsreaktionen. Im Cannabis ist das psychoaktive THC der primäre Stimulator von CB2-Rezeptoren. Die starke „Anziehung“ zum CB2-Rezeptor macht THC so wirksam gegen Entzündungen.

(Hinweise: oral kein längerer Einsatz ohne Absprache mit einem Arzt, keine Anwedung während der Schwangerschaft) Einige Margaritenarten (Heliopsis helianthoides) sind ebenfalls dafür bekannt, diese Art von Cannabinoiden zu enthalten.

2. Jambu/Electrical Daisy (Acmella oleracea)

Electrical Daisy

Electrical Daisy ist eine im Amazonas heimische Pflanze, die vor allem bei Zahnschmerzen eingesetzt wird. Aus der Pflanze kann ein starkes und wirksames Schmerzgel hergestellt werden. Studien, die von der University Cambridge durchgeführt wurden, ergaben, dass der Einsatz der Pflanze Nervenenden der Schmerzrezeptoren blockieren konnten.
Die Cannabinoid-ähnlichen Verbindungen werden als N-Isobutylamide bezeichnet. Sie wirken auf CB2-Rezeptoren, was sie zu einem wirksamen Schmerzmittel macht. Diese Verbindungen sind derart mächtig und effektiv, dass sie derzeit für den zahnärztlichen Einsatz bei Weisheitszähnen getestet werden.

3. Helichrysum umbraculigerum (Strohblume)

Strohblume phytocannabinoid

Helichrysum umbraculigerum ist eine Art Strohblum, die aus Südafrica stammt. Sie enthält eine große Menge an Cannabigerol (CBG). Cannabigerol ist für seine anti-depressiven, stimmungsstabilisierenden und entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt. Die Pflanze hat ähnliche psychotrope Effekte wie Cannabis und wird in der afrikanischen rituellen Medizin bis heute verwendet.

Helichrysum gehört zur Pflanzenfamilie der Asteraceae und stammt aus dem Mittelmeerraum, wo sie für ihre medizinischen Eigenschaften seit tausenden von Jahren, vor allem in Ländern wie Italien, Spanien, Türkei und Portugal eingesetzt wird. In der traditionellen Medizin wird die Pflanze als Öl seit hunderten von Jahren zur Behandlung gegen Entzündungen und Schmerzen verwendet.

4. Radula marginata (Lebermoos)

Lebermoos Cannabinoide

Radula gehört zur Gattung der Lebermoose und sie ist gleichzeitig die einzige Gattung in der Familie Radulaceae. Die Gattung ist weltweit mit 172 Arten vertreten.
Typisch für die Radula Arten sind die abgerundeten, überlappenden, zweilappigen Blätter. Dies unterscheidet sie deutlich von anderen Moosen.
1993 kamen einige japanische Wissenschaftler nach Neuseeland, um die Chemie von Lebermoosen der Gattung Radula zu erforschen. Es bestand der Verdacht, dass verschiedene Arten der Gattung Radula Cannabinoide ähnlich dem THC im Cannabis enthalten könnten. Die Forscher fanden tatsächlich in einem Extrakt auf Ätherbasis Cannabinoide bei Radula Marginata.

Radula marginata lieferte ein neues Cannabinoid vom Bibenzyl-Typ, genannt Perrottetin-Säure, und zwei neue Bibenzyle, zusammen mit einem bekannten Cannabinoid dem Perrottetin. Deren Strukturen wurden durch zweidimensionale (2D) NMR-Daten etabliert. Die Struktur der Perrottetin Säure ist sehr ähnlich der von Delta 9-Tetrahydrocannabinol (THC). Cannabinoid-typische Bibenzyle konnte man bis dahin nur vom Lebermoos Radula perrottetii isolieren, aber nicht aus R. Marginata.

Beide neu gefundenen natürlichen Cannabinoide haben eine deutlich schwächere Wirkung als das medizinisch hochwirksame THC. Perrottetin besitzt ca. ½ bis ¼ der Potenz von THC.
Später wurden auch noch in anderen Radula Arten psychoaktive Bibenzyle gefunden. Bibenzyle treten nur in Lebermoosen auf, nicht jedoch in Laubmoosen.
Man geht davon aus, dass Perrottetin-Säure mit dem CB1-Rezeptor interagiert. Der CB1-Rezeptor ist die primäre Bindunsstelle für THC und gibt dem Cannabinoid seine psychotrope Wirkung.

Bedauerlicherweise konnte bislang von keiner psychotropen Wirkung der Moosart berichtet werden. In der Vergangenheit wurde die Pflanze medizinisch eingesetzt bei/für: Bronchitis, Gallenblase, Leber, Blase.

5. Schokolade

Cannabis Schokolade

Schwarze Schokolade kann das High von Marijuana verstärken, wenn sie einige Zeit vorher gegessen wird. Schokolade enthält ebenfalls eine Reihe an Verbindungen, die mit dem Endocannabinoidsystem interagieren können.
Ähnlich wie das nicht-psychoaktive CBD im Cannabis enthält Schokolade Verbindungen, die mit einem bestimmten Enzym im Körper zusammenwirken. Dieses Enzym bezeichnet man als FAAH.

FAAH ist verantwortlich für den Abbau des Endocannabinoids Anandamid in unserem Körper. Anandamid ist die körpereigene Version von THC. Die Verbindungen in Schokolade deaktivieren diese Enzyme und in der Folge erhöht sich die Menge an Anandamiden im Körper. Das führt bei vielen Menschen zu einem Happy-Gefühl und zu Entspannung.
1996 fanden Wissenschaftler vom Neuroscience Institute von San Diego anandamide und zwei weitere Verbindungen in Schokolade, welche sich ähnlich verhalten wie Cannabinoide.

Die psychoaktive und körperliche Wirkung von Schokolade, ist nicht annähernd mit der von Cannabis zu vergleichen. Trotzdem besitzt Schokolade mehr Einfluss auf unseren Körper und unsere Stimmung als man vielleicht denkt.

6. Schwarzer Pfeffer (piper nigrum) / Zimt

Schwarzer Pfeffer Cannabis

Einige Cannabis-Sorten haben ein pfeffriges Aroma, z.B. die Hash-Plant. Diese Sorten enthalten eine hohe Menge von dem Terpen Beta-Caryophyllen (BCP). Terpene sind Aromamoleküle, die in essentiellen Ölen von Pflanzen vorkommen. Beta-Caryophyllen kommt auch in Schwarzem Pfeffer in größeren Mengen vor. Vor kurzem wurde entdeckt, dass BCP wirklich wie ein Cannabinoid funktioniert. BCP hat eine Bindungsaffinität zu CB2-Rezeptoren. Die entzündungshemmenden Eigenschaften des Terpens sind wertvoll für die Behandlung von Erkrankungen wie Arthritis und Osteporose. Weitere Untersuchungen deuten an, dass dieses Terpen möglicherweise die Wirksamkeit von Krebsmedikamenten steigern kann.

Eine internationale Forschergruppe mit Wissenschaftlern aus der Schweiz, Deutschland, Italien und den USA (2008, 2012) berichten, dass verschiedene Pflanzen, vorrangig Gewürzpflanzen, ein funktionales nicht-psychoaktiven CB2-Agonist enthalten, nämlich β-Caryophyllen. Einige Forscher bezeichnen dieses Molekül als nahrungsmittelbasiertes Cannabinoid. Wissenschaftler nehmen an, dass mit der Aktivierung des CB2-Rezeptors mit Hilfe dieser neu entdeckten pflanzenbasierten Cannabinoide neue therapeutische Behandlunhsstrategien verfolgt werden können; besonders bei der Behandlung von Entzündungen und oxidativer Stress. Weitere Forschung hat gezeigt, dass β-Caryophyllen auch wirksam sein kann gegen Schmerzen, Mikroben und Krebs.

Diese Pflanzen enthalten β-Caryophyllen (durchschnittlich):

  • Black Ashanti Pepper (Piper guineense): 59% β-Caryophyllen
  • White Ashanti Pepper (Piper guineense): 52% β-Caryophyllen
  • Schwarzer Pfeffer: 7-19% β-Caryophyllen
  • Guineapfeffer (Aframomum melegueta): 22% β-Caryophyllen
  • Sri Lanka Zimt: 7-11% β-Caryophyllen
  • Rosmarin: 1-8% β-Caryophyllen

Das waren nur einige Beispiele für Pflanzen, die Cannabinoide oder cannabinoidähnliche Verbindungen haben und mit dem Endocannabinoidsystem interagieren können.
Auch peruanische Maca und Chinesischer Rhododendron besitzen Canbinoidähnliche Verbindungen.
Die Cannabispflanze bleibt der große Star und öffnete den Weg für die Entdeckung des Endocannabinoidsystems. Die Phytocannabinoide von Marijuana haben ohne Zweifel die gesamte Forschung über das Endocannabinoidsystem beeinflußt und angetrieben. Durch die bedeutsame Entdeckung von Δ9-THC, dem psychoaktiven Hauptwirkstoff in Cannabis, wurden erst viele der nachfolgenden Entdeckungen auf dem Gebiet der Cannabinoidforschung ermöglicht.

Es bleibt die Frage, warum Cannabis sativa L. bisher die einzige bekannte Pflanze ist, die einen Metaboliten ( Δ9-THC-Säure) erzeugen kann, der zu Δ9-THC heruntergebrochen werden kann (mit Hilfe von Decarboxylation). Δ9-THC gilt bis heute als das potenteste Phytocannabinoid, das den CB1-Rezeptor aktivieren kann.

Während Mutter Natur eher geizig war als es um die botanische Bereitstellung von Metaboliten ging, die in der Lage sind den CB1-Rezeptor zu aktivieren, gibt es eine große Anzahl an Pflanzen, die Verbindungen enthalten, welche den CB2-Rezeptor aktivieren und mit diesem interagieren können. Flavonoide gehören zu den natürlichen Polyphenolen und können leicht mit Proteinen interagieren. Es besteht der Verdacht, dass sie auch auf einigen Proteinen innerhalb des Endocannabinoidsystems abzielen, wie etwa FAAH. Es gibt dazu bislang noch keine intensivere Forschung.

https://www.jstage.jst.go.jp/article/cpb/59/11/59_11_1409/_pdf
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2931553/
https://www.jstage.jst.go.jp/article/cpb/59/11/59_11_1409/_pdf
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2931553/
Legault J., Pichette A. 2007 (Dec). „Potentiating effect of beta-caryophellene on anticance activity of alpha-humulence isocaryophellene and palitaxel.“ J Pharm Pharmacol 59(12): 1643-47.
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