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Cannabis in Spanien

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Spanien hat seine Gesetze in Bezug auf Drogen in den letzten Jahren schrittweise gelockert und zählt mittlerweile innerhalb Europas und auch im weltweiten Vergleich zu den liberalesten Ländern. Spaniens Wirtschaft wurde durch die Finanzkrise und den damit verbundenen Auswirkungen heftig in Mitleidenschaft gezogen und geschwächt. Diese Auswirkungen sind an vielen Stellen des täglichen Lebens zu erkennen und spürbar.  Im Dunst dieser Krise erlebte Cannabis nochmal einen deutlichen Aufschwung. Cannabis wird in ganz Spanien angebaut, überwiegend für den privaten, persönlichen Gebrauch und auf kleinen Anbauflächen.

Das spanische Cannabis-Business erlebte in den vergangenen Jahren einen positiven Aufschwung, wie er vom Ausmaß das letzte Mal in den 80er Jahren in Holland zu beobachten war. In ganz Spanien ist der Anbau sehr beliebt und verbreitet. Daraus ist eine vielfältige und bunte Cannabis-Kultur entstanden. Es gibt mehrere große und bedeutende Veranstaltungen z.B. die Spannabis, Expocannabis, Growmed, Copa Catalunya, Cannabis Canarias Cup und unzähige kleinere regionale Cannabis-Events. Mittlerweile konnten sich viele spanischen Samenbanken am internationalen Markt behaupten und einen Namen machen und ebenso haben sich zahlreiche private Cannabis-Clubs gebildet. Diese Clubs geben an ihre Mitglieder bis zu 80g monatlich aus. Von spanischen Gerichten wird 1kg pro Jahr als Eigenmenge angesehen

Spanien ist dezentralisiert, seine einzelnen Regionen sind mit einer weitreichenden Autonomie versehen und daher finden sich in den unterschiedlichen Regionen auch jeweils eigene politische Vorgehensweisen. Katalonien mit der Hauptstadt Barcelona hat über 200 Cannabis-Social-Clubs, während in Madrid wesentlich weniger vorhanden sind und insgesamt ein eher repressiver Umgang mit Cannabis zu erkennen ist.
Zum einen gibt es den umfangreichen Anbau für den Eigenkonsum, zum anderen werden jährlich enorm große Mengen Haschisch aus Marokko importiert, das am engsten Punkt der Meerenge von Gibraltar nur 14,8 km von Spanien entfernt liegt. Die spanischen Behörden versuchen diese Haschischgroßimporte mit allen Mitteln zu bekämpfen, doch gelingt dies nur recht bedingt.

Nach dem spanischen Gesetz ist der Handel mit Cannabis illegal, ebenso der Anbau für kommerzielle Zwecke. Der private Wohnraum wird nach spanischem Recht jedoch als unberührbar angesehen und in diesem Zusammenhang ist die Kultivierung  von Cannabis für den eigenen Bedarf, in einer für den persönlichen Gebrauch vertretbaren Menge praktisch entkriminalisiert. Wie hoch diese Menge genau ist wird zum Teil sehr unterschiedlich bewertet, im Allgemeinen aber eher locker gehandhabt. Der Kauf und Verkauf von Cannabis-Samen und Hanfprodukten ist legal. Die einfache Weitergabe kleiner Mengen unter Freunden wird nicht als Handel angesehen.

Der Konsum von Cannabis in der Öffentlichkeit ist verboten, stellt allerdings keine Straftat dar, wegen der man verhaftet werden könnte. Teilweise werden Geldstrafen von 300€ und mehr erhoben, wenn öffentlich konsumiert wird. In der Praxis halten sich die meisten Spanier nicht an dieses Verbot und es ist normal mit einem Joint auf der Straße zu gehen. Es gibt nur wenig Bemühungen dieses Verbot durchzusetzen.

Zu Verhaftungen im Zusammenhang mit dem Anbau von Cannabis kommt es dann, wenn das Gericht nicht davon zu überzeugen ist, dass der Anbau allein dem persönlichen Zweck dient. Bei großen Anbaumengen kann es zu Gefängnisstrafen von bis zu 3 Jahren kommen. Ähnlich ist es beim Handel und Verkauf, auch hier fallen die Strafen bei größeren Mengen zwischen 1 Jahr und 3 Jahren aus. Die Strafen werden oftmals zur Bewährung ausgesetzt. Im Falle von besonders großen Mengen und einer früheren Verurteilung kann es auch zu deutlich höheren Gefängnisstrafen kommen.

Während der Handel mit Cannabis als Straftat betrachtet wird, gilt der Konsum von Cannabis in der Bevökerung als völlig unbedenklich und weit verbreitet. Sucht wird allgemein und in Bezug auf alle Drogen überwiegend als eine Krankheit angesehen, die man therapieren sollte und nicht bestrafen. Die vergleichsweise liberale Haltung Spaniens ist aus den vielfältigen Problemstellungen in den 80er Jahren hervorgegangen, wo Heroinkonsum und HIV-Erkrankungen verstärkt auftraten. Die Gesellschaft begann Süchtige als Menschen anzusehen, die Hilfe benötigen. Die Gerichte haben begonnen Strafminderung anzubieten, wenn die Beschuldigten sich bereit erklärten eine entsprechende Therapie zu machen. Mittlerweile gibt es hunderte von Cannabis-Social-Clubs in Spanien. Verstärkt findet man sie in Katalonien und im Baskenland.

Im September 2013 stellte die frühere Direktorin der Nationalen Drogenstrategie, Araceli Manjón, fest, dass Cannabis keine Droge sei und nicht mit anderen gefährlichen Drogen gleichgesetzt werden soll. Sie sprach sich weiterhin für eine Regulierung der Cannabisindustrie aus und erklärte zugleich, dass ein Verbot keine angemessene Lösung darstellt.

Verhaftungen und Urteile wegen Cannabis in Spanien

Die spanischen Behörden beschlagnahmen regelmäßig riesige Mengen, also mehrere Tonnen schwere Haschischlieferungen aus Marokko. Auch die Mengen an Cannabis, die im Land selbst produziert werden sind in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Im April 2013 beschlagnahmte die Polizei die bis dahin größte in Europa sichergestellte Menge von 52 Tonnen Haschisch in Córdoba. Im Oktober 2013 stellte der spanische Zoll in Almeria eine Lieferung von achtzehn Tonnen Haschisch sicher. Der bis heute größte Fund in der Geschichte der Stadt. Diese war lange Zeit bekannt als das Eingangstor für Haschischlieferungen aus Marokko.

Der Anbau von Cannabis in Spanien

Das spanische Klima ist weitgehend ideal für den Cannabis-Anbau und erlaubt das Züchten sehr großer Büsche. Das meiste Cannabis, das in Spanien produziert wird ist für den Eigenbedarf bestimmt oder den lokalen Handel. Kommerzielle Ernten, die für einen Export bestimmt sind gibt es nur selten, da sich die Händler hauptsächlich auf den Import von marokkanischem Haschisch nach Europa konzentrieren. Im August 2013 fand die Polizei in Murcia das bis jetzt größte Cannabisfeld Spaniens mit einer Fläche von 5.000 m², auf der 14.000 Pflanzen angebaut wurden.

In kleinerem Umfang und speziell für den medizinischen Gebrauch kann Cannabis weitgehend stressfrei angebaut werden. Cannabis ist die am häufigsten konsumierte Droge in Spanien. Sowohl die Verfügbarkeit als auch die allgemeine gesellschaftliche Akzeptanz von Cannabis nimmt zu. Viele Spanier sind relativ tolerant in Bezug auf den Konsum von Cannabis und andere Drogen. Kokain ist ebenfalls sehr beliebt und Spanien gilt für den südamerikanischen Kokainhandel als Eingangstor nach Europa – sowohl sprachlich bedingt als auch wegen seiner geografischen Lage.

Cannabis wird eigentlich überall öffentlich konsumiert, in Bars oder auf Plätzen und es gehört zum Alltag, obwohl es in der Öffentlichkeit nicht erlaubt ist. Aber nicht alle Regionen gehen gleich gut um mit den Cannabis-Clubs um. In einigen der weniger liberalen Gegenden ist es auch schon zu Verhaftungen von Mitgliedern der Cannabisclubs gekommen, sowie zu Beschlagnahmungen. Einer der ältesten Cannabis-Social-Clubs Spaniens, Pannagh, der 2003 in Bilbao gegründet wurde, Hauptstadt der autonomen Region Euskadi (Baskenland), war 2005 nach einer Razzia der Polizei gezwungen zu schließen. 5 Mitglieder wurden dabei verhaftet. Im Rahmen dieser Operation wurden 3.000 Pflanzen beschlagnahmt. Im Jahr 2007 hat ein Richter des Landgerichts dann ihre Rückgabe angeordnet und die Razzia für illegal erklärt. Die Pflanzen waren natürlich längst tot. Pannagh wurde zwar wieder geöffnet, doch der Staatsanwalt weigerte sich das Verfahren einzustellen. Mittlerweile ist eine Protestbewegung entstanden, die gegen die Anklagen und die anhaltenden Rechtsstreitigkeiten kämpft.

Cannabis-Spanien

Wie sind die spanischen Cannabis-Social-Clubs entstanden?

Die in Barcelona ansässige Legalisierungs-Gruppe Asociación Ramón Santos de Estudios Sobre el Cannabis (ARSEC) ging 1993 einen neuen Wege und fragte in einem Brief an den für die Drogenbekämpfung zuständigen Staatsanwalt , ob der Cannabisanbau zum Zweck des Konsums in einem Verein mit erwachsenen Mitgliedern legal sei. Der Staatsanwalt erklärte, dass das Konzept im Prinzip nicht illegal sei, und so begann die Gruppe experimentiv ihren ersten Anbau. Die Medien berichteten darüber und das Ergebnis war, dass die Ernte beschlagnahmt und die Gruppenmitglieder verhaftet wurden. Später wurden diese vom zuständigen Gericht freigesprochen, aber der ganze Fall wurde an den obersten Gerichtshof weitergeleitet. Dieser entschied dann 2 Jahre später, das Cannabis nicht verkauft werden darf und erklärte den Anbau der Gruppe als illegal. Es bildeten sich schnell weitere Vereinigungen, die diese Entscheidung anfechteten.

Der Verein Kalmudia in Bilboa war schließlich der erste, der es schaffte ohne jegliche rechtliche Probleme eine komplette Ernte zu produzieren. Nachdem diese Vereinigung 2000 ohne Vorkomnisse 3 Ernten abgeschlossen hatte, suchte sie nach einer rechtlich sichereren Basis.

2001 wurde dann der erste Cannabisclub in Spanien gegründet, der Barcelona Catadores Cannabis Club (CCCB). Im Oktober 2001, sowie im Juli 2003 entschied der Oberste Gerichtshof, dass auch der Besitz großer Mengen Cannabis keine Straftat darstelle, wenn der Vorsatz des Drogenhandels oder des Verkaufs zu Gewinnzwecken nicht nachgewiesen werden kann. Diese Grundsatzentscheidungen eröffnete den Weg für Cannabisclubs, die in der Konsequenz einen regelrechten Boom erlebten.

Cannabis und Haschisch sind in Spanien überall vorhanden und man muss nicht lange suchen. In zahlreichen Städten, besonders in den Anbauzentren oder Seehäfen wie Barcelona, Granada und Bilbao, werden Haschisch oder Cannabis auch auf öffentlichen Plätzen und an Straßenecken angeboten.

In Barcelona, der Hauptstadt Kataloniens, ist vor allem die Gegend um Las Ramblas als Treffpunkt für Straßendealer bekannt. Je nach Qualität können die Preise enorm schwanken, 30g kosten zwischen 50 und 190€. In den Cannabisclubs wird Cannabis für medizinische Zwecke meistens für sehr wenig Geld angeboten (ca. 3 bis 4 € pro g). Die Cannabisindustrie in Spanien wird weiterhin zunehmen und es besteht wie in vielen Teilen der Welt großes Interesse am medizinischen Nutzen der Pflanze.

Spanien und Marijuana

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